Über diese 3 Steine stolpern Softwareprojekte

MashMachine
Podcast
Projekte und Prozesses
#DigitaleWissensbissenS01E08

Unglaublich viel coole Technologie wartet darauf, integriert zu werden. Mittelständische Unternehmen haben enormes Potenzial, sich durch eigene Software-Projekte echte Innovationsvorsprünge zu verschaffen. Doch die Realität sieht anders aus: 75% aller Softwareprojekte scheitern – sie überziehen das Budget, sprengen den Zeitrahmen oder liefern nicht das gewünschte Ergebnis.

Warum ist das so? Und gibt es magische Hebel, um das Scheitern zu verhindern? In dieser Episode decken wir die drei häufige Fallen auf, die Projekte zum Stolpern bringen – egal ob mit 10.000 oder 10 Millionen Euro Budget.

Wichtige Punkte aus der Episode

1. Gnadenbasierte Zuarbeit – Der unsichtbare Projektkiller

Das Kernprojektteam steht, die Skills sind vorhanden, das Budget ist da. Doch dann braucht das Team Zulieferungen aus anderen Abteilungen: APIs vom IT-Team, rechtliche Klärungen, Datenhaltung. Das Problem? Niemand hat formalisiert, WANN und WARUM diese Teams liefern müssen.

  • Andere Teams wissen zwar, dass sie helfen sollen, aber haben eigene Roadmaps und Prioritäten
  • Eskalationswege führen oft erst zur Geschäftsführung
  • Matrix-Organisationen verschärfen das Problem zusätzlich

2. Agiles Chaos statt agiler Prozesse

Viele Großprojekte kleben sich das "agile" Label auf, ohne die Grundlagen zu verstehen. Agilität ist das Gegenteil von Chaos – sie braucht klare Strukturen, Rollen und Prozesse.

  • Projekte starten ohne Requirements UND ohne starken Product Owner
  • Stakeholder tauchen sporadisch auf, geben neue Richtungen vor und verschwinden wieder
  • Hybride Modelle ohne klare Verantwortlichkeiten sind oft zum Scheitern verurteilt

3. Die Greenfield-Versuchung

Entwicklerteams drängen oft darauf, alles neu zu schreiben statt bestehende Software zu erweitern. "Mit dem neuen Framework geht das viel schneller!" – ein gefährlicher Trugschluss.

  • Der Aufwand wird massiv unterschätzt, um mit dem Altsystem gleichzuziehen
  • Jeder "obskure" Button wird von irgendjemandem genutzt
  • Migrationsstrategien werden viel zu spät geplant

Es braucht keine magischen Hebel oder besseren Tools – sondern bessere Entscheidungen und Strukturen. Wer Großprojekte meistern will, muss zuerst über Organisationsstruktur, Prozesse und Risikomanagement nachdenken, nicht über Jira versus Trello.

MashMachine
MashMachine
KI Knecht
Künstliche Intelligenz, die deine Werke unter die Leute bringt.

Weitere Blogartikel

EU AI Act: Mythos und Wirklichkeit

Der EU AI Act ist geltendes Recht – kein Entwurf. Viele Verbote greifen bereits, Hochrisiko-Regeln folgen ab 2026/27. Betroffen sind nicht nur KI-Anbieter, sondern auch Unternehmen als „Deployer“ (z.B. Recruiting, Scoring, Support). In der Episode: Was ist verboten, was gilt als Hochrisiko, welche Transparenz- und Dokumentationspflichten kommen – und wie Firmen pragmatisch compliant werden.

Künstliche Intelligenz - Technologie oder Strategie?

KI ist überall – im Unternehmensalltag aber selten wirksam. Die Episode zeigt drei typische Fehlschläge: Abwarten (führt zu Schatten-KI), „Copilot für alle“ ohne Effekt und ein Center of Excellence ohne Nähe zu echten Problemen. Statt KI als Ideologie zu behandeln, geht es um den Mittelweg: Prozesse digitalisieren, Engpässe finden und KI nutzen, um Top-Mitarbeiter massiv zu entlasten und zu skalieren.

Agil oder fragil? Warum Wasserfall für manche Projekte einfach die bessere Wahl ist

Agiles Projektmanagement ist kein Selbstzweck, sondern erfordert klare Rollen, Priorisierung, Entscheidungsbefugnis und ein cross-funktionales Umfeld, sodass je nach Anforderungsstabilität, Compliance- und Dokumentationsbedarf, externen Abhängigkeiten sowie Budget-/Fixpreis-Constraints Wasserfall- oder hybride Ansätze oft passender sind und eine methodengetriebene „Pseudo-Agilität“ sonst Chaos, Scope Creep und Kosten-/Terminrisiken erzeugt.